Von wegen Oldschool ist out! – HGB-Leipzig vergibt Professur an Zeichenstiftmagier Christian Weihrauch

"Zweig", 2015, Aquarell, Tusche, Farbstift auf Papier, 42x51 cm, Privatsammlung Hamburg  (Bild: Christian Weihrauch)
„Zweig“, 2015, Aquarell, Tusche, Farbstift auf Papier, 42×51 cm, Privatsammlung Hamburg (Bild: Christian Weihrauch)

Mit dem Weggang von Neo Rauch als Professor und Vertreter der so genannten „Leipziger Schule“ bangte die Kunstwelt ein wenig um das Renommee, welches die Leipziger Kunstakademie gerade in der figürlichen und gegenständlichen Arbeit inne hatte. Zum Beginn des Sommersemesters 2015 hat Christian Weihrauch die Professur für Malerei, Zeichnung und Komposition (Malerei/Grafik) an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig angetreten. Diese Professur ist in der Lehre des Grundstudiums an der HGB angesiedelt. Christian Weihrauch tritt die Nachfolge von Prof. Doris Ziegler an, die 2014 in den Ruhestand ging. (Von Daniel Thalheim)

Er trat mit einigen Arbeiten in der letztjährigen Jubiläumsschau „Malerei und Grafik nach 1947 – Eine Ausstellung zum 250-jährigen Jubiläum der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig“ erneut in Erscheinung. Der 1966 in Zella-Mehlis geborene Christian Weihrauch ist nicht nur in Leipzig kein Unbekannter mehr. Der Grafik- und Zeichenkünstler begann sein Kunststudium an der Burg Giebichenstein in Halle/Saale im Wendejahr 1989. Als er 1995 es beendete, übernahm er fortan verschiedene Lehraufträge an unterschiedlichen Kunsthochschulen, bis er 2011 schließlich Assistent bei Annette Schröter und Heribert C. Ottersbach an der Hochschule für Grafik und Buchkunst wurde.
In Leipzig trat Weihrauch erst in den Milleniumsjahren zusehends in Erscheinung, 2006 zunächst bei der nach Berlin abgewanderten Galerie Emmanuel Post, später, seit 2008, in der Galerie Römerapotheke und an anderen Orten mit weiteren Ausstellungen. Sein Schaffen ist durchwirkt von Reminiszenzen an die Alten Meister – allen voran Albrecht Dürer, Hans Holbein und Lucas Cranach. Die Zeichnung ist Weihrauchs Feld.
„Seine meist überschaubar dimensionierten, mitunter aber doch überraschend großformatigen Buntstift- und Aquarellarbeiten verschränken eine persönlich gefärbte Emblematik mit weit ausgreifenden kunst- und kulturgeschichtlichen Referenzen; sie mischen Alltagswelten mit Märchen- und Traumsphären und treiben alles Figurative in poetisch-rätselhafte Transformationsprozesse“, schreibt die Hochschule für Grafik und Buchkunst über seinen Stil. „Der Scheinrealismus der in jüngster Zeit geschaffenen Stillleben setzt dieses Spiel der Verwirrung und Verwandlung fort: Die Aktivkräfte künstlerischer Imagination verhelfen allen ‚nach dem Leben‘ gemalten Dingen zu surreal vibrierendem Eigenleben.“
Christian Weihrauchs Werk wurde bereits mit mehreren renommierten Stipendien gewürdigt, u.a. durch Bundesstipendien für die Villa Casa Baldi, Olevano (1999), das deutsche Studienzentrum Venedig (2009), Stiftung Kunstfonds Bonn (2004) und das Künstlerhaus Schloss Balmoral Stipendium Bad Ems (2003) sowie das Stipendium der Kulturstiftung Sachsen (2010). Die Arbeiten des in Leipzig lebenden und arbeitenden Künstlers sind seit 2005 national und international regelmäßig in Ausstellungen und Messen gezeigt worden. Werkstandorte der Zeichnungen sind u.a. das New Museum of Contemporary Art, New York, das Santa Barbara Museum of Contemporary Art, USA, das Museum der Bildenden Künste Leipzig, das Klingspor Museum Offenbach, die Landeskunstsammlungen Sachsen- Anhalt, Hessen und Rheinland- Pfalz sowie nationale und internationale Privatsammlungen.

Dass die Hochschule für Grafik und Buchkunst einen versierten Zeichenstiftmagier und klassisch ausgebildeten Künstler mit fundierten Kenntnissen der Materie zum Professor ernennt, spricht einiges. Zum einen könnte die HGB so zeigen, dass der Leipziger Kunsthochschule viel an der figürlichen Kunst liegt und den Traditionsfaden, der irgendwann nach den Weggängen von Arno Rink und Neo Rauch irgendwie verloren ging, aufhebt und mit Weihrauch einen Mann nun in seinen Reihen weiß, der auch das Zeug für eine Meisterschülerklasse hat. Angesichts der jüngeren Entwicklungen, die sich an der HGB angesichts der Meisterschulklassen und Absolventen mit Namen wie Robin Zöffzig, Nils Franke, Rayk Goetze und vielen anderen zeigen, kann man schon sagen: Von wegen Oldschool ist out!

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