Unter Oberflächen – Wie Uta Reinhardt unseren Blick auf die Malerei beeinflusst

Von Daniel Thalheim

Seit die fotografischen Verfahren im 19. Jahrhundert in die Lebenswelten der Menschen Einzug hielten, veränderte sich auch der Blick auf die Malerei. Hinzu kamen weitere technologische Neuerungen in Form industriell hergestellter Farben, die Profanisierung der Fotografie und der Siegeszug des Films. Malerei musste nicht mehr so realistisch sein wie wir es noch von den Bildern aus der Renaissance, Barock und des Klassizismus kennen. Dass aber die unterschiedlichen Medien in Wechselbeziehungen treten, liegt aber auch den zeitgenössischen Künstlern wie Uta Reinhardt.

"Surface" ist der Begleitband der aktuellen Ausstellung von Uta Reinhardt. (Bild: Hirmer/Presse 2018)
„Surface“ ist der Begleitband der aktuellen Ausstellung von Uta Reinhardt. (Bild: Hirmer/Presse 2018)

Unsere Sehgewohnheiten würden zunehmend durch Realitäten auf dem Bildschirm gebildet, schreibt Katharina Powers im aktuellen monografischen Werk über eine Künstlerin, die wie keine andere Fiktionales mit Realistischem mixt und beide Wahrnehmungsebenen ineinander fließen lässt – Uta Reinhardt. Mit ihrer Malerei bildet sie ganz neue Wahrnehmungsräume, die organisch miteinander verschmolzen werden. Akzentuiert gesetzte Kontraste aus abgeschwächten Farbakkorden, Fabelwesen und Gegenstände schaffen in den Köpfen der Betrachter Situationen, die fast schon surreal anmuten und uns komplexe Geschichten vermitteln, Geschichten aus Mythen, Märchen und real Erlebtem. In den scheinbar flüchtig auf die Leinwände geworfenen Motiven setzt sich in jedem von uns etwas anderes zusammen, das von Bedeutung ist. Diese Deutungen können von Individuum zu Individuum anders sein. 

Technisch wirken viele ihrer Arbeiten an verwaschene Wandmalereien und Graffiti. Uta Reinhardt arbeitet mit Oberflächenwirkungen, Lichtwirkungen, Lasuren, Kratzungen, Verwischtem, Weggelassenem, Kontrasten und Flächen. 

Sie nähert sich, wie die Leipziger KünstlerInnen Philipp Orlowski, Robert Deutsch, Isabelle Dutois und Lydia Wahrig, dem Surrealistischen an. Sie spielt mit Farben, ihren sinnlichen Wirkungen und den Stimmungen, die sie in uns hervorrufen. Kombiniert mit Symbolen, Worten und Darstellungen von Mensch und Tier schaffen gerade zeitgenössische KünstlerInnen neue Sichtweisen, zielen auf andere Fragen ab die wir der Malerei stellen sollten. Malerei als Zustand zum Beispiel, als bewusstseinserweiterndes Medium, ein Vermittler zu Anderswelten, die mal heilend aber auch unheilbringend wirken können. 

Der aktuelle Ausstellungsband „Surface“ erschien im Sommer 2018 im Verlag Hirmer.

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