Trotz Pandemie-Welle – Guggenheim-Museum öffnet seine Pforten

Daniel Thalheim

39 Mio. Erkrankte weltweit, über acht Millionen Covid-19-Fälle allein in den USA. Die seit November 2019 registrierte Pandemie forderte viele Opfer. Sie wird weiterhin viele Opfer fordern. Dass ein Lock-Down zu einem Systemwechsel, wenn nicht wenigstens ein Systembruch herbeiführen könnte, ist wahrscheinlich die größte Angst von Politikern und Systeminsassen. Natürlich könnte so eine Pandemie mit all seinen Vorsichtsmaßnahmen weitere Opfer fordern; in der Kunst und in der Kultur. Weil gerade viele Museen in der westlichen Hemisphäre auch Wirtschaftsbetriebe sind, steht die Befürchtung im Raum, wir könnten diese Institutionen auf Dauer verlieren. Sind nicht Kunst und Kultur der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält?

Diese Frage dürfte sich auch der Direktor des Guggenheim-Museums gestellt haben als er sich am 9. Oktober an die Öffentlichkeit wandte, um die Öffnung seines Hauses mit seinen Sammlungen der Klassischen und zeitgenössischen Moderne anzukündigen. „Letzte Woche konnten wir nach sieben Monaten der Schließung des Guggenheim wieder Besucher im Guggenheim begrüßen“, teilt Richard Armstrong mit. „Wir sind überglücklich, unsere Türen wieder zu öffnen, und freuen uns darauf, Sie zu sehen, wann immer Sie sich zu einem Besuch bereit fühlen. Zu sehen sind zwei neue Ausstellungen, zu denen ich Sie ermuntere, sich etwas Zeit zu nehmen: Jackson Pollocks bisher größtes Gemälde mit dem Titel ‚Mural‘ und skulpturale Arbeiten aus der Sammlung des Museums von Künstlern, die das Erbe des Abstrakten Expressionismus herausfordern und erweitern.“

Ihm ist bewusst, dass wir leben in einem historischen Moment tiefgreifender Ungewissheit und Veränderung leben. Die um sich greifende Krise beeinflusst aus Richard Armstrongs Sicht das Museum in sozialer und finanzieller Hinsicht direkt. „Seit über sechzig Jahren steht das Guggenheim an der Fifth Avenue als ein Leuchtturm fortschrittlicher Kunst und Ideen. Wie jeder Wandel ist auch diese Übergangsphase schwierig, aber wir vertrauen darauf, dass wir daran arbeiten, voranzukommen und stärker zu werden. Trotz der vielen Unbekannten, mit denen wir konfrontiert sind, sind wir sicher, dass das Guggenheim noch weitere sechzig Jahre bestehen wird, ein Zeugnis der radikalen Kunst und des kühnen Denkens, die über unsere Zeit hinausgehen.“

Armstrong sieht sich weltweit mit seinem von ihm geführten Haus weltweit vernetzt und sieht sich daher auch verpflichtet, sich im Namen der gesamten Belegschaft für das Engagement seiner globalen und lokalen Gemeinschaften, den Mitarbeitern, Künstlern, Besuchern und Unterstützern zu danken. „Unsere physischen und digitalen Räume bieten eine offene Einladung zum kulturellen Austausch und zu kollektiven Erfahrungen in einer zunehmend vernetzten Welt, die heute wichtiger ist als je zuvor“, bekräftigt er. „Ausgehend von unserem grundlegenden Glauben an die transformative Kraft der Kunst wollen wir ein zeitgenössisches Guggenheim gestalten. Wir haben uns auf einen Kurs des Wandels begeben und widmen uns Aktionen, die uns zu einem integrativeren, gerechteren Museum führen werden. Auf unserem Weg nach vorn betrachten wir diese Zeit als einen der wichtigsten Momente in der Geschichte unserer Organisation. Ich bin weiterhin dankbar, dass Sie Teil der Guggenheim-Gemeinschaft sind.“

„Mural“ ist wohl Jackson Pollocks wichtigstes Werk und entstand als Auftrag von Solomon Guggenheim 1943. Copyright: Guggenheim Museum New York 2020.

Jackson Pollocks größtes Gemälde soll neues Interesse wecken

Er gilt als der Erneuerer der Malerei. Mit seinen Action-und Dripping-Bildern revolutionierte er unser Sehen und unseren Blick auf die Malerei. Jackson Pollock leitete u.a. gemeinsam mit Mark Rothko eine neue Ära der Malerie ein. Bereits 1943 schuf Jackson Pollock sein größtes Gemälde: „Mural“.

„Obwohl Pollock noch nicht konsequent mit Leinwänden auf dem Boden arbeitete – es goss und tropfte Farbe von allen Seiten, wie er es 1947 tun würde -, stellt das Wandbild einen entscheidenden Moment in der Entwicklung von Pollocks künstlerischem Stil dar“, teil das Guggenheim-Museum auf seiner Homepage mit. „Unter anderem durch die Erforschung des Unbewussten durch die Surrealisten und durch die Arbeit der mexikanischen Wandmaler, unter anderem von José Clemente Orozco, Diego Rivera und David Alfaro Siqueiros, begann Pollock, die traditionellen Vorstellungen von Malerei in Frage zu stellen. Er experimentierte mit realen und mythischen Bildern, dynamischen Gesten und einer lebhaften Palette von Wandmalerei und entwickelte so seinen eigenwilligen Stil weiter, während er sich der Abstraktion näherte.“

Pollock ist mit seinem Stil auch ein Gestalter. Das raumgreifende Gemälde ist nicht nur herausragend wegen seiner Arbeitstechnik, es führt die seit der Antike praktizierte Abfolge fort, dass Malerei auch raumgestaltend ist und sich konzeptionell in die Architektur einfügt, und natürlich auch auf diese Weise einen repräsentativen Charakter besitzt.


„Mural“ ist auch in anderer Hinsicht wichtig. Als US-amerikanisches Kulturgut verkörpert das Gemälde auch das Vermächtnis von Peggy Guggenheim, der Nichte des Museumsgründers Solomon R. Guggenheim, als visionäre Sammlerin und Kunsthändlerin. Mit seiner Einreichung des Gemäldes mit dem Titel „Stenografische Figur“ (1942) Anfang 1943 für eine jurierte Ausstellung in Guggenheims Museumsgalerie Art of This Century begann Pollocks steile Karriere. „Guggenheim und ihr Beraterkreis erkannten Pollocks Potential. Kurz darauf bot Guggenheim Pollock einen Vertrag mit einem monatlichen Stipendium an und ermöglichte es ihm so, seine kurze Anstellung als Kustos und Präparator am Museum of Non-Objective Painting, dem Vorläufer des Solomon R. Guggenheim Museums, zu beenden und hauptberuflich zu malen“, heißt es weiterhin vom Guggenheim-Museum.

Dieser Vertrag war der Auftakt für „Mural“. Denn zusätzlich gab Guggenheim bei Pollock ein Werk in Auftrag, das eine ganze Wand im schmalen Eingangsbereich des Stadthauses in der East Sixty-First Street 155 bedecken sollte, in dem sie eine Wohnung im Obergeschoss mietete. „Zahlreiche Künstler, Kunstfachleute, Kritiker und andere Gäste begegneten Mural in den Jahren vor Guggenheims Weggang aus New York im Jahr 1947. Diese Begegnung trug dazu bei, Pollock unter den herausragenden Malern dieser Epoche zu etablieren, und Guggenheim erklärte ihn später zu „meiner einzigen großen Entdeckung“.“, weiß man ebenfalls mitzuteilen.


Jackson Pollocks „Mural“ ist eine Ausstellung, die Pollocks Wandgemälde gewidmet ist, das sich jetzt als Ergebnis der Schenkung von Peggy Guggenheim in der Sammlung des Stanley Museum of Art der University of Iowa, Iowa City, befindet. Das Wandbild war seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr in New York zu sehen. Seine Präsentation im Guggenheim Museum markiert sein Debüt in der Stadt nach dem Abschluss eines umfangreichen Forschungs- und Restaurierungsprojekts, das vom Getty Conservation Institute und dem J. Paul Getty Museum, Los Angeles, durchgeführt wurde.

Jackson Pollock „Mural“

Im Guggenheim Museum NY

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