Wie jetzt gemalt wird – Eine Ausstellung zeigt in vier Städten junge Positionen

Daniel Thalheim

Nach dem Bruch mit dem Akademismus infolge der Sezessionen und Reformbewegungen vor und kurz nach dem Ersten Weltkrieg, die Spaltung in ungegenständliche und gegenständliche Malereischulen in den beiden Deutschlanden nach 1945 bis 1990, aber auch die Erweiterung der Malerei als Experimentierfeld für naive Künstler, erlebte kein künstlerisches Medium in den letzten 100 Jahren so viele positive wie negative Zuschreibungen und Brüche wie die Malerei. Was hat sich befreit, was hat sich verfestigt, dürfte eine der Fragen an den Ausstellungsmarathon lauten.

53 zeitgenössische KünstlerInnen werden in vier Städten mit ca. 500 Werken mit einem Ausstellungsprojekt gewürdigt, welches die Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Museum Wiesbaden, Kunstmuseum Bonn und in den Deichtorhallen in Hamburg gemeinsam gestemmt haben. Mit „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ wollen die Kuratoren dieser Museen den Versuch unternehmen, den aktuellen Stand dieses oft totgesagten Mediums zu bestimmen. Wie jetzt gemalt wird, öffnet ein Blick in die Ausstellungen mit seinem Querschnitt durch aktuelle Positionen, die, kunsthistorisch eingeordnet, relevant für die heutige Zeit sein sollen.

Drei zentrale Leitfäden ziehen sich durch das frischgebackene Ausstellungsprojekt: es geht um die Malerei als zweidimensionales Bild, nicht um installative oder multimediale Erweiterungen dieses Mediums. Die zweite Prämisse richtet sich nach dem Alter der TeilnehmerInnen. Berücksichtigt wird die Generation, die ab 1976 das Licht der Welt erblickt hat. Der dritte Strang der Ausstellung folgt dem geografischen Rahmen der Ausstellung. „Dass dieser sich auf Deutschland beschränkt, resultiert allein aus der Notwendigkeit, das Untersuchungsgebiet überschaubar zu halten“, heißt es von den Ausstellungsmachern. Inwieweit auch Fragen beantwortet werden, wie akademisch und klassisch eine Kunstausbildung sein sollte, ob alte künstlerische Techniken nur noch abseits des verschulten Akademiebetriebs erhalten bleiben, aber auch an welchen Inhalten sich junge Kunst reibt, dürfte Gegenstand bei den zahlreichen Diskussionen, Künstlergesprächen und Führungen sein, die ausstellungsrahmend sein werden.

Nahezu zeitgleich öffnen das Kunstmuseum Bonn (19.09.2019), das Museum Wiesbaden (20.09.2019) und die Kunstsammlungen Chemnitz (21.09.) ihre Pforten für die Super-Schau. Alle Ausstellungen enden am 19. Januar 2020. Zeitversetzt wird ab dem 7. Februar 2020 ein Teil der Ausstellung in den Deichtorhallen in Hamburg gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint eine umfassende Publikation im Hirmer Verlag, die neben einführenden Essays und Kurztexten zu den teilnehmenden Künstler*innen auch eine  Auswahl der gezeigten Werke enthält.

Malerei jetzt! hat auch eine eigene Homepage

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