In Licht getaucht – Ein Fotograf entdeckt die White City neu

Weltkulturerbe White City in einem neuen und aufregenden Bildband von Yigal Gawze (Foto: Yigal Gawze, Hirmer Verlag Presse 2018)
Weltkulturerbe White City in einem neuen und aufregenden Bildband von Yigal Gawze (Foto: Yigal Gawze, Hirmer Verlag Presse 2018)

Von Daniel Thalheim

Warum die White City so einzigartig ist

Der Architekt Arieh Sharon plante eine Stadt auf dem Reißbrett. Als Palästina noch nicht Israel war, sollte die White City von Tel Aviv für einen Aufbruch stehen. Aus Europa kamen Architekten in diese Gegend und entwarfen Privathäuser im Sinne des Neuen Bauens. Sharon, der nach seiner Emigration nach Palästina 1920 nach Deutschland zurück kehrte, nur um von 1926 bis 1929 an der Bauhaus-Universität in Dessau zu studieren und so jüdische Tradition mit neuen architekturreformerischen Ideen in Form und Design verknüpfen konnte als er 1931 begann, konkret an der White City mitzuarbeiten. Er, und andere Architekten, entwickelte selbst eine schlichte Architektursprache aus den sogenannten Kibbutzbauten, die für den Aufbruch des europäischen Judentums im Heiligen Land stehen sollte: weiß verputzte Flächen, schlichtes, bauschmuckloses Äußeres, geschwungene bzw. eckige Formen, die Verwendung von schlichten Materialien von Glas, Stein, Metallen und Holz und ihrer Verarbeitung zu Fenstern, Loggien, Balkonen, Handläufen und Geländers zu einem organischen Miteinander innerhalb eines Baukörpers. 

Form and Light – From Bauhaus to Tel Aviv

Der Hirmer Verlag veröffentlichte im November 2018 einen neuen Bildband über die White City (Foto: Hirmer Verlag Presse 2018)
Der Hirmer Verlag veröffentlichte im November 2018 einen neuen Bildband über die White City (Foto: Hirmer Verlag Presse 2018)

Viel steht über Architekten wie u.a. Ram und Dov Karmi, Yeshajahu Ilan, Sigmund Kerekes, Wilhelm Zeèv Haller und Arieh Sharon geschrieben. Doch Architektur durch die Linse eines Fotografen erlebt, der frisch sanierten Häuser der White City ablichtete, ist doch schon ein „Flashback“ als die Architektur der Dreißigerjahre noch frisch war. Das Weiße, das Licht ist nach Jahrzehnten der Verschmutzungen und auch der Verluste in die White City zurück gekehrt. Denn mit dem Projekt „Netzwerk Weiße Stadt Tel Aviv“ unterstützt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit den Aufbau eines Zentrums für denkmalgerechtes Bauen in Tel Aviv. Weil mit dem Projekt auch versucht wird, durch Vermittlung bautechnischer und handwerklicher Kompetenzen eine denkmalpflegerische Sanierung der White City umzusetzen, wird das UNESCO-Weltkulturerbe in Bälde wieder im neuen Glanz erstrahlen. Doch schon Anfang der Neunzigerjahre wurde die Sanierung der Gebäude vorangetrieben, die als Inkunabeln des Internationalen Stils gelten und heute noch als Vorbild für Wohn- und Geschäftsbauten weltweit dienen. So beschreibt es der Fotograf Yigal Gawze in seinem Fotoband „Form and Light“. Er studierte die Bauwerke durch den Fokus seiner Kamera, ergründete die Formensprache, das verbaute Material, die Farbigkeit. So erfühlt er mit seinen Fotografien das, was den Architekten so wichtig war als sie die Bauten planten und errichten ließen: Schlichtheit und Größe. 

Sein Beitrag und die Texte von Michael Jacobson und Gilad Ophier zum Internationalen Stil, zur White City und zum Neues Bauen flankieren die ästhetischen Fotografien, die das elegante und heute noch moderne Design dieser einzigartigen Gebäude aufspüren. Die Fotografien enthüllen die atemberaubende Formensprache und stellen sie in ein neues Licht.

Yigal Gawze, Gilad Ophier und Michael Jacobson – Form and Light – From Bauhaus to Tel Aviv

Beiträge von Y. Gawze, G. Ophir, M. Jacobson

Text: Deutsch / Englisch

120 Seiten, 100 Abbildungen in Farbe

24,1 x 27,9 cm, gebunden

ISBN: 978-3-7774-3099-8

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