Die Frau in der Kunst – Eine Ausstellungstrilogie widmet sich Leipziger Künstlerinnen

Von Daniel Thalheim

Die Kunst ist mit einem weiblichen Attribut ausgestattet. Wir kennen weibliche Prinzipien in der Kunst, die – kurz gefasst – sich auf das Abbilden des weiblichen Körpers beschränkt. Angefangen von den Venusdarstellungen aus der Steinzeit über marmornen, steinernen und gemalten Abbilder von Göttinnen und Liebesdienerinnen in der Antike bis zu den nackten Damen auf Kissen der Frühmoderne und Moderne: Frauen wurden und werden gemeinläufig als Objekt verstanden. Wir kennen aber auch Frauen, die den Spieß umdrehen und als Künstlerinnen in Erscheinung treten. Eine dreiteilige Kunstschau in Zwickau will weibliche Kunst aus Leipzig ein Podium bieten.

75 weibliche Künstler für 20 Jahre Freunde aktueller Kunst Zwickau

Mitte September wird in Zwickau eine Ausstellung eröffnet, die den zweiten Teil einer Ausstellungsreihe bildet, die sich ausschließlich mit Leipziger Künstlerinnen beschäftigt. Insgesamt sind 25 Malerinnen und Grafikerinnen beteiligt. Anlass ist das zwanzigjährige Jubiläum des Zwickauer Vereins Freunde aktueller Kunst. Alle Künstlerinnen, die in diesem und dem letzten Jahrzehnt bis hinein in diese Tage die hochinteressante Entwicklung der Malerei in Leipzig mitgetragen und sie maßgeblich mitgestaltet haben, sind mit Arbeiten vertreten, verkünden die Organisatoren der Ausstellung. Wie schon im Frühjahr sollen auch die nun vorgestellten Bilder eher der gegenständlichen Malerei verpflichtet sein, was angeblich für Leipzig typisch sei. Einige Positionen sind aber auch dem Ungegenständlichen verpflichtet. „Außerdem möchten wir Künstlerinnen zeigen, die bei weitem nicht nur in Leipzig präsent sind oder waren, sondern ebenso in anderen, auch internationalen Kontexten ausstellen“, heißt es außerdem. Die Bilderschau in Zwickau sei auch einmalig in dieser Form, weil Leipziger Positionen so geballt noch nicht gezeigt wurden. „Eine in dieser Form bislang einmalige Zusammenschau der malerischen Positionen kann also eine der kreativsten Kunstszenen Deutschlands – Leipzig – präsentieren und ausleuchten.“ Die Messestadt wird, auch von Außenstehenden, aufgrund ihrer Hochschule für Grafik und Buchkunst, ihrer StudentInnen und AbsolventInnen als Leuchtturm des künstlerischen Schaffens und des Sammlungsgeschehens wahrgenommen. 

Der lange Weg der Emanzipation – Berühmte Künstlerinnen in der Kunstgeschichte

Die männliche Künstlerexistenz steht meist im Zentrum der kunstwissenschaftlichen Forschungen. Das ist auch dem Umstand geschuldet, weil sich meist auch nur Männer in den Künstlerwerkstätten tummelten. Das Kunsthandwerk und die Kunstmalerei entstand aus einem handwerklichen Zunftwesen, das im Mittelalter und in der Frühmoderne von Männern beherrscht wurde. Doch es gibt auch weibliche Persönlichkeiten, die offen ihr künstlerisches Dasein – auch gesellschaftlichem Widerstand zum Trotz – auslebten. Wer kennt nicht die Lebensgeschichte von Artemisia Gentileschi? Oder die von Angelika Kauffmann? Sie sind nur zwei Beispiele in der Kunstwelt, die sich im Zuge der aufklärerischen Ideen vor der Französischen Revolution zu öffnen begann. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert tauchen, insbesondere in Frankreich, Namen auf, die hierzulande völlig unbekannt sind. An erster Stelle ist Adélaïde Labille-Guiard (1749-1803) zu nennen, die mit ihren Schülerinnen Marie-Gabrielle Capet (1761-1818) und Marie-Margueritte Carreaux de Rosemond (? – 1788) zu den führenden Persönlichkeiten der französischen Salonmalerei gehörten. Labille-Guiard war ihrerseits Schülerin des Medaillonmalers Francois-André Vincent (1846-1816) und von Maurice Quentin de La Tour (1704-1788). Zu ihren Zeitgenossinnen gehörte auch Elisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842). Auffällig für die damaligen Malerinnen ist der Umstand, dass sie vorwiegend aus bürgerlichen Kreisen stammten, aber vorwiegend für adelige Kreise malten. Insbesondere die Klassizistin Vigée-Lebrun nahm Aufträge vom königlichen Hof entgegen. Auffällig ist auch, dass alle von ihnen selbstbewusst ihr Können zeigten und auch Bewunderung für ihre Kunst erhielten. Dass es im damaligen Kunst- und Akademiebetrieb nicht immer recht zuging, zeigt das Zitat der finnischen Künstlerin Victoria Aberg (1824-1892). Sie beklagt, dass männliche Künstler in den Akademien ihre Ateliers kostenlos beziehen dürfen, weibliche Künstler jedoch nicht. Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten sich erste Damenakademien in Deutschland und in Frankreich heraus. Abseits des männlichen Gepräge an den Akademien mussten die Künstlerinnenvereine finanziell sich selbst tragen und mussten Geld für die Ateliernutzung verlangen. Meist wurden diese „Damenakademien“ von männlichen Künstlern betrieben, die ihrerseits von den Honoraren der Malerinnen ihr Einkommen fanden. Diese Akademien waren ihrerseits aber auch Einflussgeber und Sprungbretter für moderne Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz (1867-1945), Gabriele Münter (1877-1962) und Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Maler wie Henri Matisse (1869-1954) nahmen auch erstmals Künstlerinnen in ihren Hochschulklassen auf. Mit ihnen hielt auch die Emanzipation vom männlichen Kunstbetrieb Einzug. Frauen wie Emilie Charmy (1878-1974), Hermine David (1886-1970), Alice Halicka (1894-1975) und Suzanne Valadon (1865-1938) wurden ausschließlich von der Pariser Galeristin Berthe Weill (1865-1951) betreut. Noch zur Jahrhundertwende müde belächelt und als „Malweiber“  gesellschaftlich unterhalb der männlichen Künstler degradiert, ist es heute Normalität, dass Frauen Kunstakademien besuchen dürfen, frei ausstellen können, selbst Galerien unterhalten und sogar als Museumsdirektorinnen tätig sind. Dass in der Öffentlichkeit Künstlerinnen es immer noch schwer haben, Aufmerksamkeit und die nötige Anerkennung für ihre Tätigkeit zu erhalten. Die Anfang 2017 gezeigte Ausstellung zur Käthe-Kollwitz-Schülerin, Leipziger Malerin und HGB-Professorin Elisabeth Voigt (1893-1977) zeigte, dass der emanzipatorische Schritt Mitte des 20. Jahrhunderts vollzogen war.

 

 

Nach dem Bild ist vor dem Bild. 75 Malerinnen aus Leipzig – Ein Projekt in drei Ausstellungsteilen 2018

Teil I: 20.3. – 18.5. 2018

Ellen Akimoto . Hjördis Baacke . Anna Bittersohl . Suzana Brborovic . Marie Gold . Kathrin Henschler . Katharina Immekus . Friederike Jokisch . Nina K. Jurk . Franziska Jyrch . Constanze Kerth . Uta Koslik . Elena Kozlova . Marianna Krueger . Kathrin Landa . Corinne von Lebusa . Sophia Loth . Berit Mücke . Julia Tomasi Müntz . Gudrun Petersdorff . Petra Polli . Maria Sainz Rueda . Konstanze Siegemund . Sophie von Stillfried . Kathrin Thiele

Teil II: 18.9. – 9.11. 2018

Undine Bandelin . Heidi Baudrich . Christina Baumann . Isabelle Dutoit . Céline Germès . Franziska Güttler . Rosa Loy . Anita Mikas . Franziska Möbius . Nicole Kegel . Yvette Kießling . Romy Julia Kroppe . Katrin Kunert . Verena Landau . Birgit Nadrau . Anna Nero . Juliana Ortiz . Petra Ottkowski . Kerstin Pfefferkorn . Franziska Reinbothe . Anija Seedler . Silke Silkeborg . Mirjam Völker . Susanne Wurlitzer . Doris Wutzler

Teil III: 27.11. 2018 – 25.1. 2019

Rania Akl . Zora Berweger . Mona Broschár . Ulrike Dornis . Steffi Dost . Aika Furukawa . Rebekka Gnädinger . Henriette Grahnert . Grit Hachmeister . Katrin Heichel . Franziska Holstein . Marie Carolin Knoth . Gabriela Kobus . Susanne Kühn . Mandy Kunze . Ellen Möckel . Selma van Panhuis . Oskar Rink . Claudia Rößger . Katharina Schilling . Julia Schmidt . Kristina Schuldt . Maria Schumacher . Miriam Vlaming . Lydia Wahrig

 

Beitragsbild: In Zwickau werden ausschließlich Werke von Künstlerinnen aus Leipzig gezeigt – hier zwei Arbeiten von Christina Baumann (li.) und Birgit Nadrau (re.). (Foto: Verein Freunde aktueller Kunst Zwickau e.V. / Presse)

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