Giovanni da Rimini – Innovator der italischen Malerei des Trecento

Von Daniel Thalheim

 

Sein Schaffen steht unter Byzanz‘ und Giottos Einflüssen. Bis Oktober 2017 zeigt die National Gallery in London ein eindrucksvolles Stück Kunstgeschichte. Derzeit wird dort der linke Flügel eines Altar-Diptychons vorgestellt, der bei näherem Blick eine Entwicklung in der westeuropäischen Malerei bezeugt, die zwischen Abwendung von der bislang etablierten Ikonenmalerei des Mittelalters und Zuwendung zu dem steht, was wir als Renaissance bezeichnen. Die Rede ist von Giovanni da Rimini.

Ein enthülltes Stück Kunstgeschichte in London

Angeblich ließ die Malerwerkstatt in Rimini sich vom italienischen Maler Giotto beeinflussen. Einer Stadt an der Adria, die im Frühmittelalter unter Einfluss von Byzanz stand, dann als Geschenk in den Einfluss der römischen Päpste kam und dessen berühmtestes Künstlerkind der Bildhauer und ehemalige Donatello-Schüler Duccio war. Die National Gallery in London zeigt bis Oktober 2017 den linken Flügel des Diptychons „Szenen aus dem Leben der Hl. Jungfrau und anderen Heiligen“ und beschreibt wie Rimini sich im frühen 14. Jahrhundert zu einem innovativen Zentrum der italischen Malerei der Proto-Renaissance entwickelte.

Giovanni da Rimini, Szenen aus den Leben der Jungfrau und anderer Heiligen (Foto: National Gallery London 2017, Screenshot aus dem Buch "Scenes from the Lives of the Virgin and other Saints" von Anna Koopstra)
Giovanni da Rimini, Szenen aus den Leben der Jungfrau und anderer Heiligen (Foto: National Gallery London 2017, Screenshot aus dem Buch „Scenes from the Lives of the Virgin and other Saints“ von Anna Koopstra)

Die Ausstellung „Giovanni da Rimini: A 14th-Century Masterpiece Unveiled“ dürfte somit neue Brennpunkte auf die Erforschung der italischen Malerei um 1300 werfen und neue Fragen an die Beziehungsgeflechte zwischen Künstlern und Auftraggebern stellen.

Dr. Anna Koopstra, kuratorische Assistentin und Kuratorin der Rimini-Ausstellung sagt: “Giovanni da Rimini’s ‚Szenen vom Leben der Jungfrau und der anderen Heiligen‚ ist eines der schönsten Tafelmalereiwerke der Rimini-Schule. Es zeigt, dass Giovanni da Rimini, der in Rimini um 1300 lebte und arbeitete, ein hochtalentierter Künstler war. Seine künstlerische Hinterlassenschaft gilt nicht umsonst als ein Beitrag zur Entwicklung der Malerei hin zur Renaissance.“

Die Direktorin der National Gallery, Dr. Gabriele Finaldi, ergänzt: “Nach seiner kürzlich erfolgten Beschaffung durch die National Gallery, ist dieses rare Meisterwerk von Giovanni da Rimini zum ertsen Mal in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Ausstellung führt uns in die Malerei in Rimini des frühen 14. Jahrhunderts ein, die künstlerisch gesehen sehr fortschrittlich und äußerst spirituell war.”

Wer Giovanni da Rimini und die Rimini-Schule waren

Giovanni da Rimini (1292 – 1336) war ein Künstler, der um 1300 in Rimini wirkte. Er ist aufgrund von Inschriften auch als „Johannes Pictor“ bekannt, schuf wahrscheinlich die Fresken in der Kirche San Agostino. Sein Namenkürzel steht auch auf der Rückseite eines übergroßen Kruzifix in der Kirche San Francesco geschrieben. Ihm werden derzeit einige Werke zugeschrieben, wie Altarwerke, Fresken und Kruzifixe. Sein Schaffen wurde im 19. und 20. Jahrhundert noch Giotto zugeordnet, konnte aber durch Untersuchungen Giovanni da Rimini bzw. weiteren Vertretern der sogenannten „Rimini-Schule“, die um 1300 in Erscheinung trat, zugeschrieben werden.

Die italische Malerei dieser Zeit muss noch unter ihrem Einfluss der Ikonenmalerei in Byzanz gesehen werden, bzw. stand noch unter dem Stern eines Bildtypus, der im Frühmittelalter entwickelt wurde: typisierte Gesichtszüge rückten an die Stelle von individuellen Gesichtszügen, wie man sie noch von der Antike kennt. Hinzu kommt die flächenhafte Ausmalung und das Fehlen der Zentralperspektive, wie es von der Malerei des Hochmittelalters bekannt ist. Aufgrund der Lebendigkeit der Darstellungen und Auflockerungen der im Tafelbild gezeigten „Szenen vom Leben der Jungfrau und der anderen Heiligen“ verselbstständigte sich der vormals dogmatische Duktus der Ikonenmalerei hin zu einer freieren Interpretation der Szenen aus dem Neuen Testament. Inwieweit auch die Auftraggeber der Werke Giottos Bilder als Einfluss für die Vertreter der Rimini-Schule beschrieben und vielleicht auch zeigten, wird in der wissenschaftlichen Arbeit der Kunsthistorikerin Anna Koopstra im ausstellungsbegleitenden Katalog beschrieben.

Die Schule von Rimini zählt in diesem Licht zu den spannenden Impulsgebern für eine Entwicklung, die in die Renaissance münden sollte. Von dieser Rimini-Schule sind die Überreste rar gesät, ganz speziell auch die ihres talentiertesten Vertreters Giovanni da Rimini.

Ausstellungsinformation:

Giovanni da Rimini: A 14th-Century Masterpiece Unveiled

14. Juni – 8. Oktober 2017

National Gallery in London

Room 1

Zur Ausstellungswebseite

Literatur:

Koopstra, Anna: Scenes from the Lives oft the Virgin and others Saints, London 2017.

Mueller von der Hagen, Anne: Giotto di Bondone, Köln 1998.