Symbolist Thomas Geyer – Was vom Menschen übrig blieb

Thomas Geyer: Johnny, 120 x 130 cm, Ei-Tempera auf Leinwand, 2017 (Bild: Potemka-Presse)
Thomas Geyer: Johnny, 120 x 130 cm, Ei-Tempera auf Leinwand, 2017 (Bild: Potemka-Presse)

Der abwesende Mensch ist auch bei Thomas Geyer ein Thema. Was Künstler_Innen wie Katrin Heichel, Mirjam Völker und Markus Matthias Krüger als Vertreter_Innen eines „Neuen Symbolismus“ auf die Leinwand bringen, erweitert Thomas Geyer um die Anwesenheit von Nutz- und Kulturtieren. Der Mensch als Schöpfer tritt angesichts der Ruinenlandschaften und Nachtansichten zurück – was vom Menschen übrig blieb, sind die von ihm geschaffenen Überreste seiner Existenz. Doch es gibt mehr Anspielungen… Eine neue Ausstellung in der Galerie Potemka zeigt neue Arbeiten des ehemaligen Schülers von Sighard Gille und Annette Schröter.

Ein Gastbeitrag von Lu Potemka

Tiere, in unserem mitteleuropäischen Kulturraum angesiedelt, sind die Protagonisten der Bilder von Thomas Geyer. Er zeigt sie weder im urbanen Raum, noch als domestizierte Haustiere, sondern inszeniert sie als geheimnisvolle Wesen in ihrer natürlichen Umgebung. Ist das als eine Liebeserklärung an das rurale Leben verstehen? Thomas Geyer negiert seine Liebe zur Natur keineswegs, sondern äußert sich zur Ausstellung und ihrem Thema „Alba“ wie folgt: „Der frühe Morgen ist die Zeit der Tiere. Die Natur ist am lebendigsten, wenn der Mensch gerade noch schläft. Kurz darauf zieht sich die Natur wieder in sich selbst zurück und verweigert sich unserer Wahrnehmung. Ein knappes Zeitfenster schließt sich und der Mensch dominiert erneut das Geschehen.“

Beim näheren Hinsehen fällt auf, dass seine Tierarten Fuchs, Vogel, Hahn, Katze… gänzlich in der Fabelwelt auftauchen und seit einer Ewigkeit als Identifikationsfiguren für den Menschen fungieren. Der Mensch nimmt gerne jedwedes Gefäß, zum Spiegel der Selbstreflexion. Doch sieht der Maler in der Tierwelt den Reiz, dass sie für uns Menschen eben doch nicht nicht in gleicher Weise durchschaubar sind, wie es unsre eigene Spezies ist und dadurch weniger individualistisch wirken. Ist der Mensch Protagonist, birgt jede Uhr, jedes Kleid, jede Frisur bereits die Gefahr der Assoziation und der Geschichte in sich.

Tiere dienen, so Thomas Geyer, viel mehr der puren Anschauung, auch wenn in den Bildern subtile Andeutungen auf den Kulturraum existieren, oder zuweilen eine Gefahrensituation auftaucht, die die augenscheinliche Harmonie zerstört, wie bspw. ein Greifvogel, der ein Häschen jagt. Ihm geht es dabei jedoch nicht um das Thema Gewalt, sonder um „the fact of living“; um den Fakt, dass das Töten der Tiere untereinander, das stete Lauern des Todes in der Natur, zu ihrem Leben dazugehört, Der Künstler sagt dazu: „…das Töten hat nicht dieselbe Dramatik, wie für uns Menschen. Der moralische Aspekt spielt keine Rolle, es geht um die Arterhaltung.“ Sicher keimt in der Kunst des Malers auch eine Verbindung zur Romantik auf, doch gerade in unserer Zeit, wird die intakte Natur mehr und mehr zum kostbaren Gut und Thomas Geyer zeigt die Zuneigung ihr gegenüber nicht nur auf der Leinwand, sondern lebt sie auch in Form von Achtsamkeit: angefangen von Bio-Eiern als Malmittel, bis hin zum eigenen Bio-Weinberg, den er betreibt, setzt er auf Jute anstatt Plastik.

ALBA
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Thomas Geyer

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Vernissage: Do. 27.07.2017, 19 Uhr

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Exhibition: 28.07.-26.08.2017

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