Wegen der Kultur: Europhile Amerikaner in LE

Daniel Caleb Thompson, Yes We Could Have, Bildmontage, 2015 (Foto: D.C. Thompson/Galerie Eigenheim 2015)
Daniel Caleb Thompson, Yes We Could Have, Bildmontage, 2015 (Foto: D.C. Thompson/Galerie Eigenheim 2015)

Dass in Leipzig auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg noch US-Amerikaner leben, tritt in Leipzig nicht allzu offensiv zu Tage. Doch laut Statistischem Jahrbuch der Stadt Leipzig leben knapp 800 US-Bürger in der Messestadt. Seit Jahren ist die Tendenz steigend. Daniel Caleb Thompson ist einer von ihnen. Er ist Künstler und gehört zu einer Handvoll Menschen aus den USA, die in Leipzig sich ebenfalls künstlerisch entfalten.

Der 1976 im US-Bundesstaat Wisconsin geborene Designer kam 2000 zunächst nach Weimar, um an der Bauhaus-Universität wenig später seinen Abschluss zu machen. Der Videokünstler stellte 2015 zusammen mit seinem Landsmann Steve Lewis in der Galerie Potemka Arbeiten aus. Die Schau stand unter dem Motto „Post-Americana“. Sie sollte als Abgesang auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten verstanden werden. Die Ausstellung war der Vorhang zu einer Welt, welche Daniel Caleb Thompson und andere US-Amerikaner längst hinter sich gelassen haben. Thompsons durchfurcht in seinem Werk sein persönliches Verhältnis zu dem Staatssystem auf dem nordamerikanischen Kontinent, hinterfragt die dort herrschenden politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Er lässt seine Amerika-kritische Haltung in sein Werk einfließen und bezieht Stellung gegen die auch hierzulande viel gepriesenen flexiblen Arbeitszeitmodelle, aber auch gegen Vetternwirtschaft und die politische sowie wirtschaftliche Bevorteilung von wenigen Reichen. Daniel Caleb Thompson begeht mit seiner Kunst keine Realitätsflucht, er bezieht politisch Stellung. Bester Beweis ist seine Videoinstallation mit dem Konterfei von der aktuellen Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, samt dem Spruch „Yes, we could have“ – eine doppeldeutige Anspielung auf Barack Obamas Verlautbarung „Yes, we can!“.
Gekonnt wurde seither nicht viel. Politiker und Wirtschaftsbosse wissen ihr System zu erhalten. Thompson weiß auch, warum er dieser Geisteshaltung kritisch gegenübersteht und dies auch in seinem Werk behandelt. „Leider sind deren Techniken der Manipulation und Ausbeutung der Arbeiterklasse so erfolgreich, dass sie nur ein paar Jahre nach der größten Rezession in der Geschichte versuchen, eine globale Monokultur auf Basis eines extra-juristischen Freihandelsabkommens auszuhandeln“, sagt er in Richtung der aktuellen CETA- und TTIP-Verhandlungen. Thompson glaubt, dass jegliche Art von Kultur ein Gut ist, zu dem jeder einen freien Zugang haben sollte.
Doch wieso ist Leipzig sein Lebensmittelpunkt geworden? „Weil die Leipziger-Szene ihre Rolle als Vorreiter der digitalen Kunstszene endlich verstanden hat und ich nur an einem Ort, wo solche Diskussionen möglich sind, arbeiten möchte“, antwortet er. Und es werden mehr. Seine ebenfalls in Leipzig lebende Landsmännin Maeshelle West-Davies kam 2004 für ein Kunstprojekt auch nach Leipzig. Die Objektkünstlerin, Fotografin und Performance-Akteurin verließ schon 1996 die USA zugunsten von Großbritannien: „Ich war schon immer europhil … hier ist alles Kultur!“

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