Flohmarktfund – Verschollen geglaubter Dürer-Stich wiederentdeckt

Die Wirren des Zweiten Weltkrieges reichen bis in die heutige Zeit hinein. Wie die Staatsgalerie Stuttgart Ende Juli 2016 mitteilte, gelangte ein als Kriegsverlust verschollen geglaubtes Werk von Albrecht Dürer wieder an seinen alten Ausstellungsort zurück. Vermutlich kam es während des Krieges in Privatbesitz und tauchte nun als Flohmarktfundstück wieder auf.

Die Rückseite des Blattes von Albrecht Dürer ("Maria mit dem Kind, von einem Engel bekrönt") mit dem Stempel des Königlichen Kupferstichkabinetts Stuttgart
Die Rückseite des Blattes von Albrecht Dürer („Maria mit dem Kind, von einem Engel bekrönt“) mit dem Stempel des Königlichen Kupferstichkabinetts Stuttgart (Foto: Staatsgalerie Stuttgart / PR)

Man muss bei Gemälden und Grafiken eben auch auf die Rückseite schauen. Die Hinteransichten der Kunstwerke erzählen, anders als ihre Vorderseiten, eine ebenso aufschlussreiche Geschichte – nämlich die einer Zeitreise. Oftmals sind Stempel, Siegel, Notizen mit Anmerkungen und Zollangaben aussagekräftig über den Besitzer, der das Bild besaß und die Reisen, welches ein Kunstwerk unternahm. Kunsthistoriker, die sich ausschließlich mit dem Entdecken von diesen Geschichten beschäftigen, nennt man Provenienzforscher. Sie lesen die Rückseiten der Bilder und decken so ihre Geschichten auf. Manchmal gelingt bei den Recherchen zu diesen Storys, wo das Bild mal war und wem es gehörte, auch mal ein Glücksgriff. Ende Juli vermeldete die Stuttgarter Staatsgalerie einen Überraschungsfund. Zu dem Museum in der baden-württembergischen Landeshauptstadt kehrt ein Kupferstich von Albrecht Dürer zurück. Ein elsässischer Sammler kaufte auf einen Flohmarkt in Sarrebourg (Lothringen) das Werk „Maria, von einem Engel gekrönt“ von Albrecht Dürer (1471-1528).

Albrecht Dürer, Maria, von einem Engel gekrönt, 1520, Kupferstich, Blatt: 13,3 x 10,3 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Albrecht Dürer, Maria, von einem Engel gekrönt, 1520, Kupferstich, Blatt: 13,3 x 10,3 cm, Staatsgalerie Stuttgart (Foto: Staatsgalerie Stuttgart / PR)

Der Finder schenkte es der Grafischen Sammlung der Staatsgalerie. Das auf das Jahr 1520 datierte Blatt wird in der Datenbank »Lost-Art« des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste ist das Werk als Kriegsverlust aufgeführt. Das Museum vermutet, dass das Bild bereits an seinem Auslagerungsort in der französischen Besatzungszone nach Kriegsende 1945 gestohlen wurde – ein Schicksal, das viele Kunstwerke aus Museums- und Privatsammlungsbeständen während der Kriegswirren miteinander teilen.
Prof. Dr. Christiane Lange ist voll des Lobes für den fachkundigen und ehrlichen Finder: „Wir sind sehr dankbar, dass das Blatt nach über 70 Jahren in die Hände eines Kunstliebhabers kam, der seinen wertvollen Fund nicht für sich behielt, sondern der Öffentlichkeit zurückgibt.“
Wie der Kurator der Graphischen Sammlung Dr. Hans-Martin Kaulbach bestätigt, „ist das Blatt in einem sehr guten Zustand, sogar das originale Passepartout der Graphischen Sammlung ist noch vorhanden“.
Der wiedergefundene Kupferstich mit der hoheitsvollen Mutter Gottes ergänzt eine Reihe von 15 Kupferstichen mit der Darstellung der Maria und dem Jesuskind von Albrecht Dürer, die er zu verschiedenen Zeiten schuf. Der Bestand an Druckgraphik von Albrecht Dürer in der Stuttgarter Graphischen Sammlung umfasst mit 250 Werken alle Schaffensphasen, Themen und Techniken des außergewöhnlichen Künstlers. Es sind von seinen frühesten Kupferstichen bis hin zu seinen bekanntesten Folgen wie die der »Apokalypse« und die drei Folgen der »Passion« Exemplare in höchster Druckqualität vorhanden.

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