Reprint der Biblia – Reformationsjubiläum bahnt sich an

Der Reprint der reich bebilderten Biglia gibt den Eindruck wieder, den die Zeitgenossen Martin Luthers von der Original-Biglia aus dem Jahr 1534 hatten (Foto: TASCHEN / Presse 2016)
Der Reprint der reich bebilderten Biblia gibt den Eindruck wieder, den die Zeitgenossen Martin Luthers von der Original-Biblia aus dem Jahr 1534 hatten (Foto: TASCHEN / Presse 2016)

2017 jährt sich die Verbreitung der 95 Thesen, die der deutsche Reformator Martin Luther in Umlauf gebracht hatte, zum 500. Mal. Diese Flugschrift gilt als Ausgangspunkt für die Reformation, welche die europäische Glaubenslandschaft nachhaltig umwälzte. Ein erstes Schlaglicht auf das Jubiläum könnte der Reprint der Lutherischen „Biblia“ sein, die erstmals und in dieser Form 1534 zum ersten Mal erschien.

2002 erschien ein Reprint der Lutherbibel mit einem Begleitband von Stephan Füssel. Dieses Konvolut hat der Kölner TASCHEN-Verlag 2016 noch einmal neu aufgelegt. Auch das Vorwort wurde aktualisiert. An der im Bändchen dargestellten Forschung gibt es bis heute nichts zu rütteln. Weltbewegende Neuigkeiten sind in diesem Bereich auch nicht mehr zu erwarten. Mit Ausnahme inwieweit die Sprache, die Martin Luther in seiner „Biblia“ verwendet, Eingang in die Leichenpredigten und Epitaphgemälde sowie Grabtafeln Obersachsens im 16. Jahrhundert fand, wie bspw. beim Ölbild aus der Cranachwerkstatt, welches heute im Alten Rathaus zu Leipzig hängt und die Erscheinung Christi auf dem Berg Tabor darstellt.

Die Neuauflage der „Biblia“ ist nicht die erste seiner Art, und wird auch nicht die letzte sein. Zur wissenschaftlichen Orientierung, aber auch als tief eingeschnitzter Überblick bietet v.a. der Begleitband einen guten Überblick, wie es zur ersten Gesamtausgabe der „Biblia“ 1534 gekommen ist. Stephan Füssel stellt in seinen begleitenden Beiträgen klar heraus, dass die Luther-Bibel nicht die einzige deutschsprachige Schrift dieser Zeit war. In der sogenannten Inkunabelzeit wurden – oft von Regionalsprachen bzw. -dialekten – geprägte Bibeldrucke verbreitet. Was Luthers Bibel so einzigartig macht, ist die Sprache. Erst die in der „Biblia“ verwendete Schriftsprache nahm entscheidend Einfluss auf die Entwicklung des modernen Hochdeutsch.

Die Nachbildungen der kolorierten Drucke aus dem frühen 16. Jahrhundert lassen die Epoche des Konfessionellen Zeitalters lebendig werden. Hier: Durch Gott "betreutes Leben" von Adam und Eva im Paradies. (Foto: Taschen / Presse 2016)
Die Nachbildungen der kolorierten Drucke aus dem frühen 16. Jahrhundert lassen die Epoche des Konfessionellen Zeitalters lebendig werden. Hier: Durch Gott „betreutes Leben“ von Adam und Eva im Paradies. (Foto: Taschen / Presse 2016)

Andere Besonderheiten auf die der Historiker eingeht, sind die druckgrafischen Werke der Luther-Bibel. Insbesondere wenn es um ihre Vorgeschichte geht. Er geht gleichfalls auf den Buchdruck in dieser Zeit ein, unterlässt aber weitestgehend die wichtigen Impulsgeber für den Buchdruck. Nicht die Bibeldrucke beschleunigten die Verbreitung des Buchdrucks, sondern der Spielkartendruck sowie die Verbreitung von satirischen Bildern, Flug- und Schmähschriften. Der Reformator bediente sich anfänglich auch diesen Mitteln, bezog aber erfolglos – wie andere Reformatoren bzw. Humanisten seiner Zeit auch – Stellung gegen un-authorisierte Drucke seiner Schriften. Füssel beschreibt auch Luthers Weg als Übersetzer fremdsprachiger Bibelwerke, geht auf die Wirkung und Sprache seiner „Biblia“ ein, weist fast schon anekdotisch darauf hin, woher sich das Wort „Evangelium“ richtigerweise ableitet und wirft dann doch einen Blick auf die Flugschriften der Reformationszeit, die, wer genauer hinblickt, sich als Propagandaschriften entpuppen und ganz in menschlicher Tradition stehend, sich verschiedener Bilder bedienten: aus Legenden, Mythen und realen Abbildern. Hans Holbein d.J. schuf eine Karikatur des keulenschwingenden Luthers, der direkt auf die mythologische Gestalt Herkules Bezug nimmt, der ebenfalls „in action“ auf seine Gegner eindrischt. Luther war für seine Argumente bekannt, die ihre erschlagende Wirkung besaßen.

Was im Anhang jedoch fehlt, sind die zitierten Quellen und die bis 2016 entstandene Fachliteratur, die seit zehn Jahren auch auf den theologischen, linguistischen und kunstgeschichtlichen Gebieten sich stärker auf das Schaffen Luthers bezieht, bspw. in seinem Wirken auf die Cranach-Werkstatt, im Niederschlag seiner „Biblia“ auf die theologischen Schriften des konfessionellen Zeitalters und der Form der Predigt. Für den Laien bietet sich dennoch ein vielschichtiges Kaleidoskop einer Epoche, die eigentlich nicht als reformatorisch sondern als revolutionär bezeichnet werden sollte.

Einen revolutionären Eindruck hinterlässt der Nachdruck der „Biblia“ mit seinem Pappschuber, den Leinwandeinbänden und den Lutherrosen auf den Buchrücken nicht, dafür bestechen die Grafiken von einer hohen Farbbrillanz. Allgemein betrachtet bekommt der Leser den Eindruck, es mit einem echten Druck zu tun zu haben. Vergilbungen, Holzeinschlüsse und Flecken wurden im Nachdruck übernommen. Die „Biblia“ ist aber nicht als Gebrauchsbibel zu betrachten, sondern als Schmuckstück für die heimische Regalwand, Anschauungsstück für den Unterricht oder einfach zum Schmökern geeignet.

Die Luther-Bibel von 1534

Hardcover, 2 Bände mit Begleitheft im Schuber, 15,5 x 24,5 cm, 1920 Seiten

€ 39,99

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