Digitalisierung einer Sammlung – Musikbibliothek Peters ganz Multimedia

Die Musiksammlung Peters gilt als bedeutende Sammlung des Leipziger Musik-, Verlags- und Bibliothekswesens. Handschriften, Erstausgaben bedeutender Komponisten, Noten und Büchern werden seit dem Kauf der Sammlung im Magazin der Leipziger Stadtbibliothek aufbewahrt. Einige Exponate und die Geschichte der Sammlung in digitaler Form werden bald einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Für Forscher und Interessierte ein großer Fundus

Die IT-Firma arvato-Systems mit verschiedenen Sitzen, u.a. auch in Gütersloh, New York und Shanghai wird die international berühmte Musikbibliothek C.F. Peters multimedial aufbereiten. Die Stadt Leipzig teilte am 18. August 2015 mit, dass „dank der Schenkung von arvato Systems zum 1.000-jährigen Jubiläum der Stadt die Geschichte der Sammlung und die der Familie Hinrichsen anhand von Fotos, Dokumenten und digitalisierten Beispielen einiger wertvoller Werke auf einem Großbildschirm in der Stadtbibliothek und über das Internet interaktiv und spielerisch sichtbar und erlebbar gemacht“ werden. Hörbeispiele soll es auch geben. Im November wird das Geschenk in einer Festveranstaltung der Stadt Leipzig übergeben.
„Aus dem Bestand der „Musikbibliothek Peters“, der insgesamt 24.000 Medien umfasst, und weiteren Dokumenten und Fotos haben wir einige Wichtige ausgewählt und digitalisiert“, erläutert Susanne Metz, Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken, das Projekt. „Jetzt wird von arvato Systems alles multimedial aufbereitet und für die Präsentation auf einem Großbildschirm und im Internet gestaltet“. In der Präsentation wird dann zum Beispiel ein Auszug aus dem Gästebuch der „Musikbibliothek Peters“ zu sehen sein. Dort verewigten sich ab Januar 1894 zahlreiche bedeutende Vertreter der nationalen und internationalen Musikwelt, wie die Komponisten Edvard Grieg, Johannes Brahms, Richard Strauss oder Gustav Mahler.
Interessierten will Leipzig durch die multimediale Präsentation die enge Verbindung jüdischer Geschichte in Leipzig mit der Musik- und Verlagsgeschichte der Stadt zu vermitteln. „Gerade das junge Publikum ist uns dabei wichtig. Wir hoffen, durch diese moderne Präsentationsform auch Schülerinnen und Schüler zu erreichen. So werden wir dem Anspruch gerecht, das kulturelle Erbe in die Zukunft zu tragen“, betont Susanne Metz. Auch für Hobbyforscher dürfte die Digitalisierung interessant werden, ist es schon seit über einem Jahrzehnt Usus von Bibliotheken, alte Bücher, Urkunden und andere Quellen für die Forschung öffentlich bereitzustellen.

Eine bewegende Geschichte

Die Familie Hinrichen hat eine bewegte Zeit hinter sich gebracht. Viele Familienmitglieder wurden in der Nazi-Zeit umgebracht, andere konnten noch rechtzeitig aus Deutschland fliehen.
„Die Geschichte der Musikbibliothek Peters und der Familie Hinrichsen hat mich tief beeindruckt“, äußert sich Matthias Moeller, Geschäftsführer von arvato Systems perdata GmbH in Leipzig. „Vor mehr als 100 Jahren haben Leipziger Bürger damit begonnen, wahre Schätze für die Öffentlichkeit zu sammeln. Das sollten unbedingt mehr Menschen wissen, deshalb ist uns die Entscheidung leicht gefallen, dieses Digitalisierungsprojekt mit den Leipziger Städtischen Bibliotheken durchzuführen. Wir helfen gern dabei, die sehr wertvollen Exponate und die einzigartige Geschichte sichtbar zu machen. Unserer besonderen Verbundenheit mit Stadt und Standort Leipzig wollen wir gern mit diesem nachhaltigen Projekt zum 1.000-jährigen Jubiläum Leipzigs Ausdruck verleihen.“ Dr. Henri Hinrichsen wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Im Jahr 2013 erwarb die Stadt Leipzig die Sammlung von den Hinrichsen-Erben. Das war nicht so ganz einfach. Die Bibliothek unterlag sowohl Restitutionsansprüchen als auch dem Kulturgutschutzgesetz. Erben der ermorderten Familienmitglieder forderten die zwangsenteignete sammlung zurück. Aber bereits zu DDR-Zeiten wurde sie von der Stadt Leipzig aufgekauft und nach der Wende als national wichtiges Kulturgut eingestuft. Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich in reinem Urteil zur Musikbibliothek Peters vom 24. November 2011 mit diesem Themenkomplex. Im Verfahren wandten sich Miteigentümer der Musikbibliothek – Nachfahren eines in Ausschwitz ermordeten früheren Mitgesellschafters – gegen die Eintragung der Musikbibliothek in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes nach dem Kulturgutschutzgesetz. Die Anteile an der Musikbibliothek waren ihnen nach § 1 Abs. 6 des Vermögensgesetzes zurückübertragen worden. Das Bundesverwaltungsgericht hat die klagabweisenden Urteile der Vorinstanzen bestätigt: Das Kulturgutschutzgesetz finde auch auf solche Vermögensgegenstände Anwendung, die ihren jüdischen Eigentümern in der Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 durch nationalsozialistische Unrechtsmaßnahmen entzogen und nach der Wiedervereinigung gemäß § 1 Abs. 6 des Vermögensgesetzes restituiert worden seien. Die Aufnahme eines Kulturgutes in die Liste hindere weder die das NS-Unrecht wiedergutmachende Restitution noch mache sie die Restitution rückgängig; der Eigentümer könne über das Kulturgut – wenngleich mit Einschränkungen – grundsätzlich verfügen (Rn. 39). Die Anwendung des Kulturgutschutzgesetzes verstoße nicht gegen die Washingtoner Grundsätze. Hierbei handele es sich nicht um einen völkerrechtlich bindenden Vertrag, sondern lediglich um eine rechtlich unverbindliche Absichtserklärung (Rn. 43). Abgesehen davon seien die Washingtoner Grundsätze nicht einschlägig. Ihr Anliegen sei die Identifizierung beschlagnahmter und nicht zurückerstatteter Kunstwerke; zum Verhältnis von Rückgabe und Kulturgutschutz verhielten sie sich nicht.
Die wertvollen Stücke der Sammlung können seitdem in dem nach Henri Hinrichsen benannten Lesesaal der Leipziger Stadtbibliothek bestellt, eingesehen und studiert werden. Die Präsentation wird in Deutsch und Englisch erarbeitet. Sie wird ab Ende des Jahres auf einem Großbildschirm in der dritten Etage der Stadtbibliothek zu sehen sein und kann darüber hinaus auch über die Website der Leipziger Städtischen Bibliotheken abgerufen werden.

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