„Ich versuche, nicht mit dem Spielen aufzuhören“ – Die Malerin Theodora Kokhodze

Theodora Kokhodze ist kein Name, den man mit der Leipziger Kunstszene assoziiert. Dennoch war die Georgierin 2014 in Leipzig, und sie weilt erneut hier. Grund für ihren ersten Aufenthalt war das Residenzenprogramm der „Pilotenkueche“ auf dem Gelände der Alten Baumwollspinnerei. Die Geschichte von Theodora Kokhodze ist auch die Geschichte einer jungen Frau, die sich künstlerisch noch finden möchte und 2015 wieder in der Messestadt zu Gast war.

„Leipzig ist nicht mein Geburtsort, nicht meine Heimatstadt, aber das befremdlichste war, das ich während meiner zeit hier nie als Fremde gefühlt habe“, sagt die 1991 in Tiflis geborene Künstlerin. Aktuell wohnt die Gewinnerin der „Bienal Internacional de Arte Infantil y Juvenil. 2001“ nach ihrem Aufenthalt in Tiflis wieder in Leipzig. Was sie am meisten an Leipzig erstaunt, ist die Schnelligkeit der Stadt. Sie sagt, dass man den Rhythmus und Puls förmlich spüren kann. Auf die Malerin wirkt Leipzig etwas „paradox“, weil die Pleißemetropole ihrer Meinung nach gleichzeitig groß wie auch klein wirkt. „Die Stadt ist kein neues Berlin“, stellt sie fest, „Leipzig ist was ganz anderes, eher ein großer privater Ort.“

Die Messestadt hinterlässt für sie noch andere Eindrücke, wie die Ruhe, die Leipzig auf sie ausstrahlt. „Egal wie erschöpft man am Abend ist, hier gibt es immer etwas, das einen spüren und lebendig fühlen lässt.“

Die „Spinnerei“ nimmt Theodora Kokhodze als riesige Plattform für Künstler wahr. Das Gelände selbst hinterlässt einen großen Eindruck auf die. „Zuerst war ich ein wenig erschrocken über die Ausmaße der Architektur, aber gleichzeitig war ich ziemlich stimuliert. Bald aber fühlte ich, dass dies der richtige Ort für mich ist – ein industrieller Raum mit Stahlträgern und all den Emotionen, die in diesen Gebäuden innewohnen, …“

Die Teilnahme am Residenzenprogramm der PilotenKueche stellt für die junge Malerin eine große Chance dar. Sie sagt: „Für mich ist es wichtig, andere Künstler kennenzulernen, vor allem aber auch, mich anderen Menschen künstlerisch mitzuteilen.“ Das geschah ihr zufolge auch zwangsläufig, weil sich die Residenzenkünstler einen Atelierraum teilen und so eine Begegnung unvermeidlich ist.

Im WERK 2 - Theodora Kokhodze gehört mit ihrem international ausgerichteten Stil zur jungen Malergeneration Georgiens (Foto: ARTEFAKTE 2015)
Im WERK 2 – Theodora Kokhodze gehört mit ihrem international ausgerichteten Stil zur jungen Malergeneration Georgiens (Foto: ARTEFAKTE 2015)

Kunst war schon immer ein Bestandteil ihres Lebens. Kokohodze bekam im zarten Alter von elf Jahren den begehrten  internationalen Kunstpreis für Kinder und Jugendliche in Argentinien, dem „Bienal Internacional de Arte Infantil y Juvenil. 2001“. Sie begann die Umgebung zu malen, in der sie aufwuchs und lebte. 2009 nahm sie ihr Studium an der Tbilisi State Academy of Arts, Faculty of Fine Arts auf, wo sie vier Jahre verbrachte.

Die Geschichte von Theodora Kokhodze ist auch eine Geschichte des Findens. Das kann sie in Georgien nicht. Das Goethe-Institut beschreibt zwar eine in Tiflis brummende Kunstszene, aber Georgiens Kunst gilt laut einer Reportage von „Deutschlandradio Kultur“ im restlichen Europa als „exotisch“. Anders als in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, war Georgiens Kunst nicht vom Sozialistischen Realismus der Kommunistischen Herrschaft, viel eher von der Entdeckung der eigenen Traditionen, geprägt.

Kokhodze möchte daraus ausbrechen und ihre eigene, persönliche Revolution starten. Die kann sie derzeit nur in Leipzig machen. Sie sagt: „Ich habe das Gefühl, dass mein Heimatland kulturell paralysiert ist. Ich musste es verlassen, um neu stimuliert zu werden. Seitdem partizipiere ich von vielen Ausstellungen.“

Sie fügt hinzu: „Die innere Revolution war Teil meiner Diplomarbeit. Ich malte ein Triptychon über sexuelle Konflikte auf drei riesigen Leinwänden.“ Dann zitiert sie den Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw (1856-1950) mit den Worten: „We don’t stop playing because we grow old. We grow old because we stop playing“, und ergänzt, bezogen auf ihre Kunst: „Ich versuche, nicht mit dem Spielen aufzuhören.“

Zurück in Leipzig sagt sie, dass sie noch immer auf einer Entdeckungsreise ist, meint auch: „Meine Gemälde sind nur Eindrücke meiner inneren Flucht. Jedes Bild, jede Farbe, jedes Gefühl ist ein Ausdruck meiner Seelenreise. Ich kenne die Farbigkeit von Flüstern, eines Gesprächs, eines Schreies. Das ist es, warum ich Kunst so liebe.“

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