Bilderreigen in der Aurelienstraße – Maler Robin Zöffzig klopft am Tor des Hades

Die Story kannten schon die alten Griechen. Persephone wird von Hades entführt, dann verführt und von ihr gezähmt. Die Geschichte einer Frau, die selbstbewusst ihren Mann steht und sich nicht unterdrücken lässt, hat auch einen Maler ergriffen. Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Potemka beweist, dass Robin Zöffzig zu einem großen Erzähler geworden ist.

„Enter Hades“ heißt die Bilderschau, die noch bis zum 15. Januar in der Galerie in der Leipziger Aurelienstraße gezeigt wird. Ihr Protagonist heißt Robin Zöffzig. Der aus Magdeburg stammende Maler studierte Künstler hat in Halle/Saale u.a. bei dem Leipziger Grafiker und Zeichner Rainer Schade studiert, lebt und arbeitet in Leipzig.

„Wir kennen uns seit drei Jahren“, sagt die Galeristin Lu Potemka, die während der Öffnungszeiten ihrer Galerie die Gäste durch die Ausstellung führt. Zöffzig präsentiert mit „Enter Hades“ die dritte Solo-Show in dem kleinen Eckladen in der Nähe der Karl-Heine-Straße. Sie weiß, dass der Maler sehr produktiv ist und innerhalb weniger Monate immer wieder eine Ausstellung auf die Beine stellen kann.

Der Mann als Trophäe - Robin Zöffzig spielt mit Witz & Antike in seinem Bilderzyklus "Enter Hades" (Foto: Galerie Potemka)
Der Mann als Trophäe – Robin Zöffzig spielt mit Witz & Antike in seinem Bilderzyklus „Enter Hades“ (Foto: Galerie Potemka)

Sie gibt Auskunft, dass der Künstler ein Faible für Frauendarstellungen hat. Das hänge von seinen jeweiligen Partnerinnen ab. „Sie sind gleichzeitig seine Musen“, sagt Potemka schmunzelnd. Bei der aktuellen Schau zeige Zöffzig seine Sicht der Dinge zur alten griechischen Mythologie um Persephone und Hades. Der Unterweltgott raubt die Schöne und entführt sie in seine Welt. „Die Geschichte wird von Robin illustriert und ausgedeutet. Er lädt sie mit zeitgenössischen Eindrücken auf – Emanzipation mit eingerechnet“, gibt sie über die Intention des Malers Auskunft. Die Frau stehe demnach nicht als Objekt der Begierde im Mittelpunkt des Schaffens des gebürtigen Magdeburgers, sondern als Mensch, der sich selbstbewusst zeige und durchaus ihre Interessen vertreten kann. In Zöffzigs Zyklus zeigt sich diese Sicht darin, dass Persephone von Hades entführt, vergewaltigt, abhängig gemacht und gedemütigt wird – sie aber den Spieß umdreht und ihrerseits ihren Peiniger in seine Schranken weist. Für Zöffzig ein Paradebeispiel für die Emanzipation der Frau. Sein Zyklus entspreche demnach auch dem Bild, das von der westeuropäischen Frau gezeigt wird. Am Anfang des Zyklusses sei sie das Opfer, später würde der Mann durch sie domestiziert, so die Galeristin weiter. Anfangs sitzt sie auf dessen Schoß, am Schluss der Bilderreihe hat der Maler sie vor dem Schoß des Mannes platziert, sie schaut direkt zum Bildbetrachter. Diese Pose sei zudem ein kunstgeschichtlicher Wink zu Eduard Manets Bild „Frühstück im Park“.

Man müsse sich nur fragen, ob Zöffzigs vor Erotik brennenden Zyklus überhaupt noch einem aktuellen Frauenbild entspreche und ob nicht schon in früheren Zeiten immer wieder Emanzipationswellen in Europa gab. Darin erinnert Zöffzigs bislang gemaltes Werk an dem, was vor über einhundert Jahren in der Belle Epoque und Art Noveau an selbstbewussten Damen auf Leinwänden gebannt wurde, oder wie Expressionisten Frauen sahen. Immer wieder waren es die starken Frauen, die Maler fasziniert haben. Robin Zöffzig kann man in dieser Folge nicht ausnehmen. Seine Darstellungsweise der Frau habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt, so Potemka weiter. Weichere Formen wichen kantigeren und realeren Konturen. Außerdem sei es bezeichnend, dass der Maler Frauen nie in obszönen und sexistischen Zusammenhängen abbilde. Sie finde laut der Galeristin in Zöffzigs Werk zu sich und ihrer eigenen Sexualität. „Ich glaube, das ist der Zugang zu seinem Werk. Die Männer werden als die Opfer ihrer Triebe gezeigt, nicht die Frauen.“

Insofern ähnelt Zöffzigs Werk inhaltlich auch den Arbeiten eines anderen Großen der erotischen Malerei – dem in Karlsruhe lebenden Künstler Thomas Gatzemeier. „Robin lässt sich viel von den Alten Meistern inspirieren und sampelt sie teilweise auch“, gibt die Galeristin an. Sie sieht sein Werk im Zusammenhang einer erotischen Ironie, die augenzwinkernd mit der Kunstgeschichte und alten Geschichten, Mythen und Sagen spielt.

Dass Robin Zöffzig in dem Zyklus von „Enter Hades“ wegen der porträthaften Züge als der Unterweltgott selbst auftaucht, weiß Lu Potemka als Blinzeln auf Zöffzigs eigene Position um Umgang mit Frauen und seiner Entwicklung vom „Bad Boy“ zum „Sweetheart“ zu verstehen. Wer sich dahingehend wirklich emanzipiert würde als Frage beim Betrachten von seinen Arbeiten ebenfalls aufgeworfen. Zwar kämpfe Persephone sich im Bilderreigen in der Aurelienstraße zu ihrer eigenen Rolle durch, aber am Ende stehe die alte biblische Frage um Schuld und Sühne im Raum, die schon in der Geschichte von Adam, Lilith und Eva beschrieben wird.

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