Renaissancemaler der Superlative – Viele Wege führen zu Cranach

Lucas Cranach d.Ä., Hercules und Omphale, Öl auf Holz (Landesmuseum Wittenberg / Presse)
Lucas Cranach d.Ä., Hercules und Omphale, Öl auf Holz (Landesmuseum Wittenberg / Presse)

Seit Jahren folgt eine Cranach-Ausstellung auf die andere. 2015 ist der Big Bang in Fragen Cranach und sein Wirken in der Reformation. Gleich vier Ausstellungen beehren die Malerfamilie aus Wittenberg. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigt Werke Cranachs d.Ä. zwischen Reformation und Sinnlichkeit, Gotha präsentiert Reformationsmalerei, Leipzig folgt im Herbst mit einer Ausstellung und in Wittenberg steppt der junge Cranach ebenfalls.

2015 ist ohne Zweifel Cranachjahr. Grund für das Brimborium um die alten Hofmaler aus Wittenberg ist der Geburtstag des wohl berühmtesten Vertreters der Cranachfamilie: Lucas Cranach der Jüngere. Er wurde 1515 geboren. Er ist der jüngere Sohn des aus Kronach stammenden Lucas Cranach d.Ä.

„Diese Landesausstellung dürfte für viele Besucher die Entdeckung eines Meisters sein. Denn mit der weltweit einmaligen Sonderschau rücken wir erstmals das Leben und Werk von Lucas Cranach dem Jüngeren in den Mittelpunkt. Dabei zeigen wir nicht nur herausragende Gemälde und Altäre, sondern wir präsentieren auch die authentischen Orte, wo dieser aus Wittenberg stammende Maler gelebt und gewirkt hat“, sagt Kultusminister Stephan Dorgerloh zur aktuellen Landesausstellung. Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten: „Die Lutherstadt Wittenberg ist 2015 Cranachstadt.“

Jedes Schulkind kennt die Cranachs vom Unterricht. Neben Albrecht Dürer, und dem in England wirkenden Hans Holbein, sind die Cranachs wohl die wichtigsten Vertreter ihrer Zunft während der nordalpinen Renaissance und der Reformation gewesen. Ein weiterer Grund für die vielen Ausstellungen rund um die Cranachs ist, dass ihre Werkstatt als Manufakturbetrieb funktionierte und so massenhaft Bilder und Grafiken produziert wurden. Außerdem kommt hinzu, dass die Cranachs die Bilder für die Reformation schufen, angefangen von den Druckgrafiken im Septembertestament Martin Luthers bis hin zu den Reformationsgemälden. Die Cranachs profitierten einerseits von der im Aufkommen begriffenen Druck- und Buchkunst, andererseits produzierten sie das bildnerische Propagandamaterial für die Thesen Luthers, um seine Reformation durchzusetzen. Die Cranachs setzten auf Masse.

Die Zahl der Auftraggeber scheint unübersichtlich. Allein anhand der Quittungen, die im „Cranach Digital Archive“ gesammelt und zur freien Forschung publiziert werden, lassen Rückschlüsse auf ein breites Netzwerk zu, das auch nach Leipzig wirkte.

Nahezu jeder wollte sich von den Cranachs malen lassen. Von Martin Luther bis Kardinal Albrecht von Brandenburg reicht die Palette. Viele Privatpersonen ließen sich Gemälde aus der Werkstatt anfertigen. Oftmals landeten sie als Epitaphe in den Kirchen. Wieviel Cranach angesichts der von der Künstlerfamilie zahlreich beschäftigten Mitarbeiter tatsächlich in den Bildern zu sehen ist, hängt vom Urteil der Kunsthistoriker und ihrer Forschungsmethoden ab. Schriftliche Zeugnisse über die Arbeit der Werkstatt und die Auftragsvergabe, Umfang und Inhaltsangaben gibt es kaum bis gar nicht. Man weiß nur, dass die Werkstattproduktion enorm hoch war. Das Geschäft florierte. Die Cranachs hatten zahlreiche Mitarbeiter. Deswegen ist es nicht einfach, Zuschreibungen was ein echter Cranach ist und was nicht, zu treffen. Nur ganz wenige Mitarbeiter der Cranach-Werkstatt sind namentlich bekannt. Von 1538 bis 1541 war Franz Tymmermann Schüler des älteren Cranach, beim jüngeren Cranach sind 1550 bis 1555 Heinrich Königswieser, 1565 bis 1568 Erhard Gaulrap und ab 1571 Zacharias Wehme belegt. Von weiteren Malern wie Wolfgang Krodel d. Ä. oder Augustus Cordus nimmt man wegen stilistischer Ähnlichkeiten an, dass sie ihre Ausbildung auch bei Cranach erhielten. Allein der Variantenreichtum der Signatur der geflügelten Schlange macht es schwer, Werke eindeutig zuzuordnen. Nur anhand der Flügelstellung liest man heute ab, dass Werke vor oder nach dem Tod des Cranachsohnes Hans 1537 entstanden sind. Dass Zuschreibungen nicht einfach sind, beschreibt eine Meldung der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. 13 kostbare Porträtzeichnungen von Lucas Cranach dem Jüngeren sind als Leihgabe des Musée des Beaux-arts aus Reims in Wittenberg. Bislang wurden die meisten Blätter Cranach dem Älteren zugeschrieben. Neueste Forschungen zeigen aber, dass alle Zeichnungen von der Hand Cranach des Jüngeren stammen können. Die Porträts waren bisher ein einziges Mal ausgestellt, 1951 in den USA. In Europa waren noch nie alle Studien zusammen zu sehen.

Heute sind die Cranachs Teil der lebendigen Marketingwelt geworden. Und die führt uns auch aus Wittenberg nach Kronach, Torgau, Meißen, Gotha, Erfurt, Schneeberg, Eisenach, Weimar, Coburg, Nürnberg und Dessau. Diese Städte gelten als Cranach-Städte. Dorgerloh: „Mit unseren vielfältigen Marketingaktivitäten wollen wir diese Botschaft in ganz Deutschland bekannt machen. Genauso wichtig ist es für uns, dass der berühmteste Künstler, der sein gesamtes Leben in Wittenberg verbracht hat, auch in seiner Heimatregion endlich die ihm gebührende Beachtung erfährt.“

Ausstellungen zu Cranach findet man nicht nur in Wittenberg. In Gotha steht eine Sonderausstellung unter dem Motto „Cranach im Dienst von Hof und Reformation“. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg widmet man sich den „Medien der Verführung“ zwischen Venus und Luther. Leipzig folgt im Herbst mit einer weiteren Schau auf das Wirken in Wittenberg. Das Museum der bildenden Künste Leipzig besitzt einen Bestand aus Cranach-Werken aus 18 Gemälden, 10 Zeichnungen und 59 Druckgrafiken. Die stellt man aus, um das Spektrum der Auftraggeber in der Reformationszeit zu veranschaulichen. „Höhepunkt der Kabinettausstellung, die im Zusammenhang mit dem 500 Geburtstags von Lucas Cranach d. J. steht, ist ein Werkstattraum sein, in dem die jüngsten Forschungsergebnisse zur Maltechnik der Cranachwerkstatt präsentiert werden“, heißt es vom Leipziger Bildermuseum.

Das wird voraussichtlich nicht der letzte Cranach-Overkill gewesen sein, den die Kunstfreunde sehen dürfen. 2017 ist Reformationsjubiläumsjahr. Der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes und Vorstandsvorsitzender der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Kooperationspartner für die Cranach-Ausstellung in Wittenberg, Dr. Michael Ermrich, erläutert: „Die Begleitung der Cranach-Ausstellungen in Wittenberg und Wörlitz reiht sich in unser Engagement für das große Jubiläum 2017, das außerdem Eisleben, Torgau, Leisnig, Zwickau und Mühlberg umfasst.“

500 Jahre nach der Reformation sind die Cranachs immer noch die Maler der Superlative. Bis zum 1. November ist die Landesausstellung zu Cranach den Jüngeren geöffnet.

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