Karikatur und Pressefreiheit in der Stuttgarter Staatsgalerie: Ausstellung zur französischen Bildsatire endet

J.-J. Grandville, Eugène Hippolyte Forest, Résurrection de la Censure, Auferstehung der Zensur, in: La Caricature Nr. 62, 5.2.1831, Lithographie auf Papier, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung
J.-J. Grandville, Eugène Hippolyte Forest, Résurrection de la Censure, Auferstehung der Zensur, in: La Caricature Nr. 62, 5.2.1831, Lithographie auf Papier, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Der von islamistischen Terroristen Anfang 2015 verübte Anschlag auf das französische Satireblatt Charlie Hebdo in Paris war auch ein Anschlag auf die Pressefreiheit in Europa. Aus Solidarität und Anteilnahme für die Opfer und Hinterbliebenen widmet die Stuttgarter Staatsgalerie eine Ausstellung. Ende Juni startete die Bilderschau „Honore Daumier und die französische Karikatur“. Mitte September endet sie.

Die Karikatur ist in Europa eine sehr alte Bildgattung. Schon in der Antike wurden Graffiti an den Fassaden in Rom gemalt, um sich über Mitmenschen lustig zu machen. Die Bildsatire, die ihren Ursprung durchaus in der literarischen Form der Satire seine Wurzeln hat, wurde auch im Mittelalter in den klösterlichen Schreibstuben praktiziert. Mit dem beginn der Neuzeit, dem Buchdruck und dem Aufkommen der Reformation fand die Karikatur seinen Weg auch in die breite Öffentlichkeit. Sie war zudem für Reformation und Gegenreformation ein beliebtes Propagandamittel zur Durchsetzung der eigenen religiös-politischen Ideen.
Während der Aufklärung und der Französischen Revolution entwickelte sie sich zum politischen Agitationsmittel, Gegner zu entlarven. Im 19. Jahrhundert war es nicht anders. „Mit dem erst 1796 entwickelten Verfahren der Lithographie ließ sich die Produktion von Bildern in hoher Auflage umsetzen“, erklärt die Staatsgalerie Stuttgart. „So werden der vierseitigen Zeitschrift »La Caricature« jeweils zwei lose Lithographien beigefügt, die aktuelle politische Ereignisse thematisieren. Die Zeitschrift wird als Vorzugsdruck zu einem begehrten Sammlerobjekt und schafft finanziellen Rückhalt für die kostenträchtigen Gerichtsverfahren. 1835 wird »La Caricature« aufgrund der Presse- und Zensurgesetze eingestellt. Ab 1832 steht der Zeitschrift der täglich erscheinende »Charivari« zur Seite.“
Für die Ausstellung greift die Staatsgalerie auf ihren vollständigen Bestand der Zeitschrift »La Caricature« von ihrem erstmaligen Erscheinen 1830 bis zu ihrer letzten Ausgabe 1835 zurück. Im Zentrum steht Honoré Daumier, der bedeutendste französische Karikaturist des 19. Jahrhunderts, der für die Zeitschriften »La Caricature« und »Charivari« tätig war. Die karikaturistische Zeichnung findet ihren Höhepunkt in der einflussreichen, 1830 gegründeten, politisch-satirischen Wochenzeitschrift »La Caricature«. Hervorragende Zeichner wir Honoré Daumier (1808-1879) üben mit spitzer Feder gesellschaftliche Kritik an den bestehenden Verhältnissen und riskieren dabei folgenreiche Konsequenzen. Bis zum 20. September präsentiert die Staatsgalerie rund 60 ausgewählte Lithographien von Honoré Daumier und seinen Kollegen J.J. Grandville, Auguste Desperret und Charles-Joseph Traviès. Die Ausstellung ist eine Hommage an die weit zurückreichenden Wurzeln der französischen Karikatur und Bildsatire und setzt sich zugleich mit dem höchst aktuellen Thema Presse- und Meinungsfreiheit auseinander. Eigentlich auch heute noch angesichts des Umgangs mit der Presse- und Meinungsfreiheit weltweit ein aktuelles Thema.

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