Die Passion ist entscheidend – Fink

Fink (Pressefoto / Tommy N Lance, 2014)
Fink (Pressefoto / Tommy N Lance, 2014)

Die Welt des Rock’n’Roll ist voller Männer. Die Energie muss ja raus. Energielose Typen bringen’s halt nicht. Die machen Pop, oder sie schreiben Liebesgedichte und Herzschmerzschnulzen. Sex, Drogen, Suff und Gewalt bilden den grobmaschigen Stoff echter Rock’n’Roller-Träume. Oder etwa doch nicht? Ein Brite tritt den Gegenbeweis an. Mit Tattoos, Vollbart und viel Rauch in der Stimme gibt er der stromlosen Musik einen maskulinen Touch. (Von W. E. Wilcox)

Stromlos und dennoch Kante? Das geht doch nicht, oder doch!? Und dann noch von ´nem Typen, der Rock’n’Roll und Rhythm & Blues gar nicht Blut haben sollte, sondern aus der Elektronikerbranche kommt. Die Rave-Party-Veranstalter und Knöpfchendreher haben doch in den Neunzigern über die rückständigen Rock’n’Roller gelacht, wenn nicht sogar ihre Nasen gerümpft. Rock galt als Redneck-Kultur. Es war nicht cool Blueser zu sein, schon gar nicht welchen zu spielen. Bei Finian Paul Greenall könnte das nicht anders gewesen sein. Wir kennen ihn heute als „Fink“, seit seiner Zeit als Heranwachsender nannte er sich so. Nur war er nicht als der bekannt, der er heute ist. Er war selbst ein Pultvorsteher. Bevor er aber sich dem Elektro zuwandte, griff auch er zur Akustikgitarre. Die nimmt er auch heute wieder zur Hand. Aber welche Beweggründe hat der Mann, der jetzt in Berlin lebt und im Sommer 2014 mit seinem fünften Studioalbum „Hard Believer“ für Aufsehen sorgte?
„Ich wusste einfach alles“, sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview zu seinem Leben als Elektro-DJ, das für ihn eine persönliche Konstante war. Aber dass sein Leben sich mit der Zuwendung zur akustischen Musik zu einem sehr interessanten und schönen Wesen geändert hatte, das wusste er nicht. „Fink“ öffnete sich, mehr als er es in seiner Zeit als Discjockey war. Persönlicher wird’s, wenn er meint, dass kein ernsthafter Musiker von sich behaupten würde, nur für sich selbst Musik zu machen. „Du willst einfach Auftritte spielen und auf Tour gehen“, sagt er. Der Gast-Berliner erzählt aber auch, dass er sich voll auf seine Musik konzentriert. „Ich schaue mir nicht die Videos an, höre mir auch nicht die Sessions an. Ich möchte mich nicht selbst einschätzen. Es passiert einfach.“
So kommt es, dass im Internet nicht nur der akustische „Fink“ sein Gefieder aufplustert, sondern auch der elektronische. Dem sanften Raubein ist es egal, dass das Bild von ihm als Musiker in zwei Hälften fällt. Aber „Fink“ sagt, dass er in der elektronischen Welt weit weniger Gefühle transportieren kann als in der akustischen. „Es ging mehr um die Szene und das Genre“, meint „Fink“ zu seinen Anfängen als Knöpfchendreher. „Es war eine gesichtslose Verbildlichung. Ich realisierte sehr schnell, dass das wichtigste Equipment im Studio ich selbst bin. Und die Frage nach dem Dasein als einzigartiger Künstler, ist die, dass man mehr und mehr von sich in die Musik packen möchte. Mehr Wahrheit, mehr Glaubwürdigkeit. So hatte ich auf meinen drei ersten Alben ein Foto von mir draufgemacht, nur um zu sagen, dass meine Musik kein steriles Produkt ist, das man bei iTunes downloaden kann. Diese Musik ist über mich.“
So kann auch die Aussage für das Lied „Looking Too Closely“ verstanden werden, seine Augen nicht gänzlich vor der Realität und Wahrheit zu verschließen. „Es dreht sich hauptsächlich mit der Beziehung zu einem selbst“, erklärt „Fink“, dass man nicht zu verschlossen sein sollte. Mit der Aussage meint er auch, dass man sein inneres Wesen hinterfragt und beleuchtet. Jeder Mensch hat ein Spiegelgesicht. Bei „Fink“ ist es der Denker, der auch sagen kann, dass sich im Leben alles um Hoffnung und Passion dreht. „Die Passion ist entscheidend“, gibt er erfahrungsgemäß zu. Bei einem Künstler sollte sich alles nur darum drehen. Jeden Tag muss ein Künstler alles geben. Daran muss er sich festnageln lassen. So sehr, dass sogar „Fink“ zugeben muss: „Es ist durchaus möglich, dass ich einfach anfange zu weinen. Ist eine Aufnahme so gut geworden, dann wird man einfach ein wenig emotional, weil man einfach mal so durchgegangen ist und was großartiges geschaffen hat.“
Fast so bei dem Konzert mit dem Royal Concertgebouw Symphony Orchestra in Holland, welches „Fink“ als einen seiner schönsten Momente bezeichnet und wahrscheinlich auch deshalb in die 2013 erschienene Aufnahme mündete. „Hard Believer“ braucht sich davor nicht verstecken. Im Februar und März befindet sich der Musiker auf Europatournee. Dabei wird er die neuen Songs ausgiebig vorstellen.

12.02.2015 Salzburg „Rockhouse“
14.02.2015 Dornbirn „Conrad Sohm“
15.02.2015 Leipzig „Täubchenthal“
24.02.2015 Erlangen „E-Werk“
26.02.2015 Stuttgart „LKA-Longhorn“
27.02.2015 Luxemburg „Den Atelier“
02.03.2015 Düsseldorf „zakk Halle“
03.03.2015 Essen „Zeche Karl“
04.03.2025 Bremen „Modernes“

Fink auf seiner offiziellen Homepage

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