„Malerei ist eine Lebensentscheidung“ – Markus Matthias Krüger

Markus Mathias Krüger in seinem Atelier auf dem Spinnereigelände in Leipzig (Bild: Leipziger Kulturgeschichten/Artefakte)
Markus Mathias Krüger in seinem Atelier auf dem Spinnereigelände in Leipzig (Bild: Leipziger Kulturgeschichten/Artefakte – Archiv)

Sein Gemälde „Zwei Wäldchen“ sorgte bei der Meisterschülerausstellung 2013 der Hochschule für Grafik und Buchkunst für Hingucker. Dass Malerei aus Leipzig nicht unbedingt die Sprache der so genannten „Leipziger Schule“ sprechen muss, zeigen die Arbeiten von Markus Matthias Krüger.

 

Von Daniel Thalheim

„Die Reaktion der Leute zeichnet gute Kunst aus.“ Markus Matthias Krüger stand im Sommer 2010 beim Diplomfest auf dem Innenhof der Hochschule für Grafik und Buchkunst, um dort einer jungen Jazzkapelle zu zuhören. Seine Worte waren schon zu dieser Zeit allgemeingültig. Damals war er ebenso konzentriert wie heute. Aktuelle Trends und Moden interessierten ihn nicht. Der Künstler wollte seine Bilder sprechen lassen, ohne sich zu verbiegen. Trotz dass Krüger lange Zeit ein Student war, ist er nicht so oft in der Hochschule gewesen. Der gelernte Physiotherapeut und Industriedesigner hat in der Kunst sein Zuhause gefunden. Auch wenn so mancher Umweg beschritten werden musste.
„Praxis und Kreativität geht zumindest bei mir nicht einher. Mit technischen Spielereien zu arbeiten, wie Computern, liegt mit nicht“, sagte er 2010 als er vor seinen naturalistischen Szenen, die still an der Wand hängen, stand. Sie zeigten eine vom Sturm verwirbelte Pappelallee, einen ruhigen Hof. Menschenleer, aber von Menschen geschaffen. Für Krüger ist Kunst eine Art Befreiung. „Meine Entscheidung eines Tages Kunst zu studieren, musste zwangsläufig irgendwann kommen. Der Antrieb dazu war immer da. Wenn man erst einmal drin ist, sich von den Zwängen befreit hat, sich Arbeit zu suchen und Malerei als Hobby zu begreifen, dann ist der Kopf frei. Anders kann es nicht funktionieren“, erzählte der bei der Galerie Schwind unter Dach und Fach gekommene Malerkollege von Michael Triegel, Wolfgang Peuker und Arno Rink.
Doch ein anderer war Krügers großes Vorbild: Wolfgang Mattheuer. Heute liegen auf seinem Schreibtisch Bücher von niederländischen Landschaftsmalern und Romantikstar Veit Schnorr von Carolsfeld. Nebenan die Staffelei von Werner Tübke. Krügers Arbeiten wurden schon 2010 bei der Galerie Schwind betreut, jener Galerie, die auch den Nachlass des Begründers der „Leipziger Schule“ betreut.
„Kunst ist meine Lebensentscheidung“, so Krüger. „Während des Studiums und jetzt auch male ich von früh an bis zum späten Nachmittag. Ganz so, als würde ich auf Arbeit gehen.“ Der Familienvater passt nicht in das Bild des manischen Künstlers, ist eher ein disziplinierter Zeitgenosse. Ganz wie Neo Rauch, Werner Tübke und Hans Aichinger konzentriert sich Krüger auf seine Malerei, Naturskizzen und Zeichnungen. „Party machen und so zu tun, als sei ich ein Student, liegt mir nicht“, sagte er noch zur Diplomaustellung. Seine Einstellung hat sich bis heute nicht geändert.
Krügers Arbeiten erwecken den Anschein, als seien sie real. „Ich gehe zwar raus in die Natur und fertige meine Studien an, aber im Atelier kommt die Fantasie mit ins Spiel. Alles andere wäre ein komplizierteres Fotografieren.“ Eine klare Absage Krügers an den Fotorealismus.
„Ich filtere Informationen, die ich von meinen Reisen mitbringe und überhöhe sie“, so der Künstler weiter im Gespräch.  Er sei auf der Suche nach Formen, könne auch klassisch wie Michael Triegel arbeiten.
„Aber selbst bei ihm strahlen seine Arbeiten Modernität aus“, denkt der Maler laut nach. „So zu malen, wie vor 200 oder 500 Jahren ist unsinnig. … Meine Arbeiten sind der Kunstgeschichte verpflichtet.“ Wolfgang Mattheuer ist Krügers größter Einfluss.
„Landschaftsgemälde ist für mich ein verbrauchter Begriff“, erzählte Markus während der Meisterschüleraustellung, die 2013 in der Hochschule für Grafik und Buchkunst stattfand. Sein Bild „Zwei Wäldchen“ war einer der Höhepunkte der Schau. „An sich gibt es nicht wirklich die Landschaftsmalerei, die wirklich die reine Natur abbildet. Der Künstler bringt immer eine Inhaltsebene mit hinein.“ Seine Gemälde erinnerten drei Jahre nach der Diplomausstellung stark an die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Sie zeigten Spuren menschlichen Schaffens, aber nicht die Menschen selbst. Die Naturbilder spiegelten Seelenlandschaften wieder, in denen der Betrachter zu ganz eigenen Erkenntnissen kommen kann. „So ergeben sich mehr Freiheiten, die bei menschlichen Abbildern so nicht vorhanden sind“, erklärt der Maler. Mit Freiheit meinte er die Interpretation seiner Werke. Die auf einem gemähten Acker befindlichen, kreisrunden Wäldchen bergen etwas Wildes, das ringsherum in der vom Menschen domestizierten Landschaft fehlt. Für Markus Krüger nicht unbedingt Ausdruck seines Willens und seiner Träume, sondern eine Frage des Kontrastes. „Wenn ich male, gebe ich wenig von meinen persönlichen Bedürfnissen preis. Mir geht es um das Spiel mit Kontrasten. Sie rütteln einen auf, wie ein Feuer inmitten des Alltags. Ich versuche nicht, eine vorgefertigte Meinung abzubilden.“
Für „Zwei Wäldchen“ benötigte er mit Vorstudien und Skizzen ganze zwei Monate. Die nächsten Bilder sind aber schon in Arbeit. Für sein Leben braucht er einen besonders großen Hut. Kinder, Frau und Malerei müssen darunter Platz finden. Auch das sieht er entspannt, denn für seine Kunst lässt er sich Zeit. „Wenn sie Menschen erreicht, ist Malerei gut“, sagt er noch zum Abschied.

 

Zu seinen Ausstellungen „Hortus“ in Bad Frankenhausen und in Rostock erschien 2017 ein umfangreicher, mit kunstwissenschaftlich hochwertigen Beiträgen versehener, Ausstellungskatalog beim Hirmer Verlag.

 

Markus Matthias Krüger
Hortus
Hrsg. Karl Schwind
Hirmer Verlag München 2017Beiträge von F. Bußmann, M. Gisbourne, G. Lindner, A. Schüle

200 Seiten, 110 ganzseitige Abbildungen in Farbe
24 × 29 cm, gebunden

ISBN: 978-3-7774-2812-3

 

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